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Gütesiegel findet Mehrheit, stößt aber auch auf Skepsis

Ein mögliches Gütesiegel für Pauschalreisen findet in einer Reise-vor9-Umfrage mehrheitlich Zustimmung. 65 Prozent der Reisebüro- und 70 Prozent der Veranstalter-Beschäftigten halten es für hilfreich, unter sonstigen Touristikern sind es 61 Prozent. Im Mittelpunkt sollten vor allem Sicherheit in Krisen und der Schutz von Kundengeldern stehen. Zugleich warnen Teilnehmer vor Kosten und Bürokratie.

Als stärkstes Argument zieht in der Umfrage, an der sich rund 250 Touristiker beteiligten, quer durch alle Gruppen die Sicherheit in Krisenfällen. 89 Prozent der Reisebüros, 88 Prozent der Veranstalter und 90 Prozent der sonstigen Touristiker halten diesen Punkt für besonders wichtig. Beim Insolvenz- beziehungsweise Kundengeldschutz liegen die Werte bei 80, 68 und 62 Prozent.

Mehrwert für Kunden ist umstritten

Deutlich weniger Zustimmung erhalten andere mögliche Botschaften. Eine umfassende Betreuung nennen 48 Prozent der Reisebüros und 50 Prozent der Veranstalter, unter den sonstigen Touristikern sind es 33 Prozent. Flexibilität erreicht 52, 33 beziehungsweise 48 Prozent. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis spielt mit 41 Prozent bei den Reisebüros, 30 Prozent bei den Veranstaltern und zehn Prozent bei den übrigen Befragten eine geringere Rolle.

Kommentare zeigen allerdings, dass Befürworter und Gegner sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem solchen Siegel haben. Kritiker verweisen darauf, dass zentrale Vorteile der Pauschalreise bereits gesetzlich geregelt seien. Insolvenzabsicherung, Sicherungsschein und Rechte bei Reisemängeln benötigten kein zusätzliches Zeichen. Reisebüros könnten diese Vorteile auch in der Beratung erklären.

Andere halten ein Siegel dagegen für überfällig, weil vielen Kunden die Unterschiede zwischen Pauschalreise und einzeln gebuchten Leistungen nicht ausreichend bewusst seien.

Sorge vor zusätzlichem Label-Dschungel

Mehrfach wird vor zusätzlichen Kosten, Bürokratie und einem weiteren Label neben Nachhaltigkeits-, Qualitäts- oder Barrierefreiheitssiegeln gewarnt. Ein Teilnehmer fordert deshalb, ein Siegel müsse über gesetzliche Mindeststandards hinausgehen und unabhängige Kriterien etwa zu Servicequalität, Krisenmanagement oder Transparenz abbilden.

Uneinigkeit herrscht auch bei der Federführung. Bei den Veranstaltern favorisieren 60 Prozent einen Verband, 30 Prozent den Deutschen Reisesicherungsfonds. Unter den Reisebüros nennen 48 Prozent einen Verband und 25 Prozent den DRSF. Bei den sonstigen Touristikern liegt dagegen eine eigenständige Initiative mit 55 Prozent vorn, gefolgt von einem Verband mit 40 Prozent und dem DRSF mit 35 Prozent.

Die Umfrage zeigt damit ein klares Interesse an mehr sichtbarer Orientierung rund um die Pauschalreise. Offen bleibt jedoch, ob dafür ein neues Siegel nötig ist – und welchen zusätzlichen Nutzen es gegenüber dem bestehenden gesetzlichen Schutz tatsächlich bieten müsste.

Christian Schmicke