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Nach CEO-Abgang spricht Kempinskis Schweigen Bände

Kempinski will den Bericht über den plötzlichen Abgang von CEO Barbara Muckermann und weiten Teilen der Führungsebene nicht kommentieren und "kein Statement zur aktuellen Situation abgeben". Dabei hatte eine Personalentscheidung Ende September bereits Hinweise auf die Demission geliefert. Die damalige Pressemitteilung war gespickt mit versteckten Andeutungen.

Am Tag des Kempinski-Bebens herrscht auf Seiten der Hotelgruppe weitgehende Sprachlosigkeit. Auf Anfrage von Hotel vor9 teilt das Unternehmen lediglich mit: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zur aktuellen Situation derzeit nicht äußern und daher aktuell kein Statement abgeben können." Keine Richtigstellung, keine Dankesworte an die langjährige CEO, keine Erklärung zu den von Skift berichteten Abgängen in der gesamten Führungsetage.

Die Personalie Vanni als Vorbote für Muckermanns Abgang?

Dabei hatte rückblickend betrachtet die Ernennung von Andrea Vanni am 30. September zum neuen Chief Financial Officer bereits Signale gesendet, die auf eine bevorstehende Ablösung Muckermanns hindeuteten. Es lohnt sich jedenfalls, die offizielle Pressemitteilung zur Ernennung noch einmal mit dem heutigen Wissen ganz genau zu lesen, auch zwischen den Zeilen. Zwei Auffälligkeiten stechen hervor.

Erstens fehlte in der Mitteilung ein Zitat der Group CEO. In der Hotelbranche beziehungsweise der Industrie ist es üblich, dass der oder die Vorstandsvorsitzende neue C-Level-Ernennungen mit einem persönlichen Statement begrüßt. Im Fall Vanni übernahm das allein René Nijhof, Chairman des Board of Directors. Muckermann hingegen kam aber gar nicht mehr zu Wort. Ein ungewöhnlicher Vorgang, der darauf hindeuten könnte, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Absprung war oder kein Mitspracherecht mehr bei der Besetzung hatte.

Zweitens fällt auf, wie Nijhof den Aufgabenbereich des neuen CFO beschrieb. Vanni solle „die finanzielle Struktur stärken, die Performance der Hotels weiter verbessern und attraktive Renditen für Eigentümer sichern". Darüber hinaus werde er „Wachstumschancen durch gezielte Akquisitionen, Managementverträge, Branded Residences sowie Markteintritte in strategisch wichtigen und aufstrebenden Märkten vorantreiben".

Ganz schön viele und mächtige Aufgaben für einen CFO. Das beschriebene Aufgabenprofil geht weit über die klassische Rolle eines Finanzchefs hinaus und deckt Bereiche ab, die üblicherweise in der Verantwortung eines CEO liegen, von der strategischen Expansion bis zur Akquisitionspolitik. Die Formulierung, man wolle die Performance „weiter verbessern", lässt sich zudem als implizite Kritik an den bisherigen Ergebnissen unter Muckermanns Führung lesen.

Vom Aufsichtsrat ins operative Geschäft

Vanni selbst wechselte aus dem Verwaltungsrat der Kempinski A.G. in die operative Rolle. Er war dort nach eigenen Angaben mehr als drei Jahre lang Mitglied. Der Schritt vom Kontrollgremium ins Tagesgeschäft ist in der Branche ungewöhnlich und deutet darauf hin, dass die Eigentümerseite, Kempinski gehört mehrheitlich dem Königshaus von Bahrain, die strategische Steuerung enger an sich ziehen wollte. Vanni bringt laut Kempinski mehr als 25 Jahre Erfahrung in der europäischen Luxusimmobilienbranche mit und war zuvor bei J.P. Morgan und der Deutschen Bank in leitenden Positionen tätig.

In seinem eigenen Statement zur Ernennung sprach Vanni davon, die „nächste Phase der Wachstumsstrategie" werde sich auf die bestehenden Assets konzentrieren und die „Renditen für Eigentümer und Investoren maximieren". Auch diese Wortwahl legt nahe, dass der unter Muckermann eingeschlagene Kurs, mit dem Schwenk zum Eigentum und der ambitionierten Expansion in die USA und nach Europa, zumindest teilweise korrigiert werden könnte.

Für den Moment aber bleibt unklar, ob Kempinski einen Nachfolger für den CEO-Posten benennen wird oder ob Vanni als CFO faktisch bereits die operative Führung übernommen hat. Die in der Pressemitteilung gewählte Formulierung, er sei „bestens aufgestellt, die nächste Phase der Marken- und Unternehmenstransformation der Gruppe zu führen", lässt beide Lesarten zu. Solange Kempinski sich nicht inhaltlich äußert, bleiben die Fragen bis auf Weiteres unbeantwortet.

Pascal Brückmann