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Was Beschäftigte in der Touristik wirklich motiviert

Richtige Führung ist für Touristik-Trainerin Wibke Rissling-Erdbrügge der wichtigste Faktor für Mitarbeiterzufriedenheit. Im Reise vor9 Podcast erklärt sie, warum operative Überlastung viele Chefs vom Führen abhält, kleine Ungerechtigkeiten Teams belasten und ein faires Gehalt allein noch keine dauerhafte Motivation schafft.

Rissling-Erdbrügge sieht im Verhalten der Vorgesetzten den stärksten Hebel für die Zufriedenheit der Beschäftigten. Gute Führung beeinflusse Kommunikation, Arbeitsatmosphäre, Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung und den Zusammenhalt im Team. Führungskräfte müssten Regeln setzen, Ziele benennen, Arbeitsmittel bereitstellen und ihre Teams strategisch weiterentwickeln.

Gerade daran hapere es in touristischen Unternehmen häufig. Gute Fachkräfte würden zu Führungskräften befördert, arbeiteten anschließend aber weiter überwiegend operativ. Für Mitarbeitergespräche, Feedback, Strategie und Teamentwicklung bleibe zu wenig Zeit. Die verbreitete Haltung, jeder müsse ständig operativ mit anpacken, lasse Beschäftigte mit Problemen oft allein.

Führung heißt nicht Mikromanagement

Rissling-Erdbrügge warnt zugleich vor übertriebener Kontrolle. Die Beschäftigten der Branche seien überwiegend gut ausgebildet, motiviert und eng mit dem Produkt Reise verbunden. Auch erfahrene Fachkräfte brauchten jedoch Ziele, Feedback und Unterstützung, um sich weiterzuentwickeln.

Dabei könnten scheinbare Kleinigkeiten entscheidend sein, fügt sie hinzu. Wer räumt die Spülmaschine aus, wer übernimmt anspruchsvolle Gruppenanfragen, wer bekommt interessante Aufgaben? Bleiben solche Fragen ungeklärt, entstehen Frust und Konflikte. Die Teamleitung müsse für faire und klare Rahmenbedingungen sorgen, statt Probleme mit dem Hinweis abzutun, erwachsene Mitarbeiter könnten sie untereinander regeln.

Das Produkt Reise bleibt ein Motivationsfaktor

Einen besonderen Vorteil der Branche sieht die Trainerin im Produkt selbst. Reisen sei emotional und könne Menschen auch dann für einen Wechsel in die Touristik gewinnen, wenn sie dort weniger verdienen als zuvor. Eigene Reisen und Zielgebietskenntnisse stärkten diese Bindung. Im Arbeitsalltag fielen solche Erfahrungen jedoch wegen Zeitdruck und hoher Arbeitsbelastung mitunter aus.

Das Gehalt bleibt nach ihrer Einschätzung eine notwendige Grundlage. Beschäftigte müssten davon angesichts der jeweiligen Lebenshaltungskosten vernünftig leben können. Darüber hinaus verliere eine reine Gehaltserhöhung ihren Motivationseffekt jedoch schnell.

Langfristig wirkten persönliche Betreuung, Fortbildungen, Reisen, interessante Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten stärker. Rissling-Erdbrügge plädiert deshalb für ein faires Gehalt, regelmäßige Gespräche darüber und zugleich eine Führung, die die individuellen Wünsche und Fähigkeiten der Beschäftigten im Blick behält.

Christian Schmicke

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