News für den Reisevertrieb

Was ASI Reisen bei klassischen Rundreisen plant

ASI Reisen erweitert das Angebot 2027 um klassische Rundreisen in 27 Fernreiseländern und setzt dabei auf den Reisebürovertrieb. Im Reise vor9 Podcast erklärt Geschäftsführer Ambros Gasser, warum er für Spezialveranstalter große Chancen am Counter sieht, wie künstliche Intelligenz das Geschäft verändert und weshalb Nachhaltigkeit für ihn trotz nachlassenden Kundeninteresses wichtig bleibt.

Mit dem neuen Produktbereich "ASI Rundreisen" will sich der österreichische Veranstalter breiter aufstellen und zusätzliche Kunden gewinnen. Das Konzept verbindet bekannte Sehenswürdigkeiten mit persönlichen Begegnungen vor Ort, etwa gemeinsamen Mahlzeiten mit Einheimischen oder Besuchen lokaler Märkte. Die Reisen finden ausschließlich auf der Fernstrecke statt, mit maximal zwölf Teilnehmern und garantierter Durchführung ab zwei Personen.

Gasser sieht darin vor allem Chancen im Reisebürovertrieb. Während Wander- und Radreisen eine vergleichsweise spezielle Zielgruppe ansprechen, sei die Nachfrage nach Rundreisen am Counter deutlich größer. Neben Stammkunden will ASI damit Menschen erreichen, die bisher nicht mit dem Veranstalter gereist sind.

Spezialisten gewinnen im Reisebüro an Bedeutung

Im Reise vor9 Podcast äußert sich Gasser auch zur Zukunft des stationären Vertriebs. Er erwartet, dass klassische Urlaubsprodukte zunehmend direkt bei Veranstaltern und Online-Portalen gebucht werden. Auch künstliche Intelligenz werde diese Entwicklung verstärken.

Für Reisebüros sieht er deshalb wachsende Chancen bei beratungsintensiven Produkten von Spezialveranstaltern. "Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass in Zukunft Spezialveranstalter eine viel größere Rolle am Counter spielen werden als in der Vergangenheit", sagt Gasser. Persönliche Beratung und Vertrauen blieben wichtige Argumente für den stationären Vertrieb.

KI verändert auch die Produktentwicklung

ASI setzt künstliche Intelligenz bereits in nahezu allen Unternehmensbereichen ein. Ein eigens dafür zuständiger Mitarbeiter unterstützt die Teams dabei, Prozesse zu analysieren und KI-Anwendungen einzuführen. Die Technologie wird unter anderem in der Softwareentwicklung, im Marketing, in der Finanzabteilung und bei strategischen Entscheidungen genutzt.

Auch bei der Gestaltung von Reisen spielt KI eine zunehmende Rolle. Sie hilft, Angebote mit denen der Wettbewerber zu vergleichen und Rückmeldungen von Kunden und Reiseleitern auszuwerten. Gasser sieht darin Möglichkeiten, Reiseverläufe künftig genauer auf Kundenbedürfnisse abzustimmen. Die endgültigen Entscheidungen sollen aber weiterhin Menschen treffen.

Nachhaltigkeit trotz geringer Zahlungsbereitschaft

Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die Frage, wie sich Fernreisen mit dem Nachhaltigkeitsanspruch von ASI vereinbaren lassen. Der Veranstalterchef betrachtet dabei neben den ökologischen Auswirkungen auch den wirtschaftlichen Nutzen für die bereisten Länder und die sozialen Folgen des Tourismus.

Er räumt ein, dass Kunden kaum bereit seien, für nachhaltigere Reisen mehr zu bezahlen. Zudem sei das Thema aus der gesellschaftlichen Diskussion weitgehend verschwunden. Dennoch hält er an der Strategie fest. Als Familienunternehmen denke ASI nicht in Quartalen, sondern in Jahrzehnten.

Statt ausschließlich auf die Kompensation von Emissionen zu setzen, investiert ASI nach Angaben Gassers einen sechsstelligen Betrag in junge Unternehmen, die Technologien zur Verringerung von Emissionen entwickeln.

Windrose und Vamos bleiben eigenständig

Zum Abschluss des Podcasts spricht Gasser über die Entwicklung der beiden Schwestergesellschaften Windrose und Vamos. Beide Unternehmen sollen weiterhin weitgehend unabhängig arbeiten. Auf umfangreiche Integrations- und Synergieprojekte verzichtet die Gruppe bewusst.

Stattdessen habe ASI in die Markenpositionierung, Technologie und neue Websites investiert. Damit sieht Gasser beide Veranstalter für ihre weitere Entwicklung gut aufgestellt.

Christian Schmicke