Die Preise für Auslandspauschalreisen sind seit 2022 erheblich gestiegen. Nach Berechnungen von Ihlau und Isenberg auf Basis von Destatis-Daten verteuerten sich Türkei-Reisen bis zum ersten Halbjahr 2026 um rund 33 Prozent. Für Griechenland beträgt der Anstieg etwa 28 Prozent, für die Balearen 27 und für Ägypten 21 Prozent. Zuletzt hat sich der Preisauftrieb allerdings abgeschwächt. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Preise für Auslandspauschalreisen insgesamt noch um drei Prozent.
Deutlich stärker verteuerten sich einzelne Flugverbindungen. Economy-Tickets innerhalb Europas kosteten im ersten Halbjahr 2026 rund 63 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Economy-Flüge nach Afrika lagen dagegen nur um knapp zwei Prozent über dem Niveau von 2022.
Hohe Kosten bedeuten nicht automatisch höhere Preise
Steigende Löhne, Energiepreise, Finanzierungskosten und Abgaben belasten die Tourismuswirtschaft. In Deutschland erhöhten sich die Arbeitskosten im Gastgewerbe zwischen 2020 und 2025 um gut 31 Prozent. Auch in wichtigen Urlaubsländern wie der Türkei, Spanien und Griechenland sind die Personalkosten gestiegen.
Dennoch lassen sich höhere Kosten nicht beliebig an Urlauber weitergeben. Entscheidend seien auch Nachfrage, Wettbewerb, Kapazitäten und Zahlungsbereitschaft, argumentieren die Autoren. Hotels mit hoher Auslastung könnten Preise stärker erhöhen, während Betriebe mit freien Zimmern trotz steigender Kosten Rabatte gewähren müssten.
Veranstalter setzen auf unterschiedliche Preisstrategien
Die Branche reagiert mit günstigeren Einstiegsangeboten, separat berechneten Leistungen und Premiumprodukten. So hat die TUI-Tochter L'Tur das Angebot preisgünstiger Hotels erweitert und ermöglicht Buchungen ohne Flughafentransfer. Rund 30 Prozent der Neukunden wählten laut Unternehmen diese Variante.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach höherwertigen Reisen groß. Bei Dertour entfielen im Sommer 2026 rund 84 Prozent der Buchungen auf Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Die Autoren sehen darin einen zunehmend differenzierten Markt, in dem günstige und hochwertige Angebote nebeneinander bestehen.
Mallorca zeigt die Grenzen des Wachstums
Am Beispiel Mallorcas verdeutlichen Ihlau und Isenberg, dass steigende Tourismusausgaben nicht automatisch mehr Wohlstand vor Ort schaffen. Während die touristischen Gesamtausgaben 2025 um 4,4 Prozent auf knapp 16,9 Milliarden Euro stiegen, blieben die Übernachtungszahlen nahezu unverändert.
Hotels erzielten höhere Erlöse, während Teile der Gastronomie Umsatzrückgänge meldeten. Zugleich belasteten steigende Wohnkosten die Beschäftigten. Nach einer Untersuchung des Immobilienportals Idealista müsste ein Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen in Palma 44 Prozent seines Nettoeinkommens für eine angebotene Zweizimmerwohnung aufbringen.
Die Autoren warnen davor, touristischen Erfolg allein an Besucherzahlen und Ausgaben zu messen. Entscheidend sei auch, wie viel Wertschöpfung tatsächlich am Urlaubsort verbleibe und wer davon profitiere.
Reisepreise dürften sich unterschiedlich entwickeln
Eine allgemeine Rückkehr zu den nominalen Reisepreisen von 2019 halten Ihlau und Isenberg auf absehbare Zeit für unwahrscheinlich. Wo Wettbewerb und Kapazitäten zunehmen, könnten Reisen günstiger werden. In besonders gefragten Regionen dürften die Preise dagegen stabil bleiben oder weiter steigen.
Für die Zukunft fordern die Autoren eine breitere Bewertung des touristischen Erfolgs. Dabei müssten drei Fragen beantwortet werden: Was können Reisende bezahlen, was verdienen die Unternehmen und welchen wirtschaftlichen Nutzen bringt der Tourismus den Menschen am Urlaubsort?
Über die Autoren: Günter Ihlau war unter anderem bei TUI für internationale Beziehungen tätig und gehört heute dem Vorstand des Centers for Innovation & Sustainability in Tourism an. Wolfgang Isenberg ist wissenschaftlicher Leiter der Tourismusberatung Project M.
