Der internationale Bustouristikverband RDA verweist auf eine weiterhin schwache Nachfrage: 2025 lag die Zahl der Busurlaubsreisen 22 Prozent unter der von 2019, zugleich stieg der durchschnittliche Reisepreis von rund 800 auf 1.081 Euro. Die Reisen werden kürzer, während die Kosten der Unternehmen steigen. Mehr als die Hälfte der Gäste ist 70 Jahre oder älter, rund 63 Prozent leben in Orten mit weniger als 50.000 Einwohnern.
Auch der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen BDO sieht die Branche noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. Im Gelegenheitsverkehr lag die Fahrgastzahl 2025 nach seinen Angaben rund 40 Prozent unter 2019. Gleichzeitig belasten Kraftstoffkosten, Personalmangel und Bürokratie die überwiegend mittelständischen Unternehmen.
E-Busse brauchen Förderung und Ladepunkte
Ein Schwerpunkt aller Papiere ist die Antriebswende. Der RDA warnt, E-Reisebusse seien fast doppelt so teuer wie Dieselfahrzeuge und die Ladeinfrastruktur für lange, häufig internationale Reisen unzureichend. Ab 2030 müssen neue Reisebusse im Flottendurchschnitt 43 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Als Übergang fordert der Verband, die erneuerbaren Dieselkraftstoffe HVO100 aus Rest- und Abfallstoffen stärker anzurechnen und bei Bedarf über die Energiesteuer zu entlasten.
Der BDO verweist ebenfalls auf fehlende Wirtschaftlichkeit und einen Mangel an geeigneten Fahrzeugen. 92 Prozent der befragten Bustouristikunternehmen sähen die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Betrieb alternativer Antriebe derzeit nicht erfüllt, teilt er mit. Gefordert werden langfristige Förderbedingungen und Ladepunkte, die hinsichtlich Zufahrt, Fahrzeuglänge, Wendekreis und Ladeleistung tatsächlich für Reisebusse geeignet sind.
Das Busunternehmen Flix beziffert den Preis eines E-Reisebusses auf das 1,5- bis 2,5-Fache eines Dieselfahrzeugs. Kritisch sieht das Unternehmen, dass die Bundesförderung für alternative Busantriebe 2027 von rund 403 auf 130 Millionen Euro sinken soll. Flix fordert deshalb eine mehrjährige Förderung sowie geeignete Ladepunkte an zentralen Omnibusbahnhöfen, Depots, Autobahnen und Raststätten.
Weniger Bürokratie und gleiche Steuern
BDO und Flix verlangen zudem einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Reise- und Fernlinienbusse. Der Bus werde gegenüber Bahn und internationalem Luftverkehr steuerlich benachteiligt, argumentiert der BDO. Zugleich sollen papiergebundene Fahrtenblätter im grenzüberschreitenden Verkehr verschwinden und die A1-Nachweise einfacher werden. Der Verband fordert außerdem einen einfacheren und günstigeren Zugang zum Fahrerberuf.
Flix will Genehmigungsverfahren stärker digitalisieren, gedruckte Fahrplanaushänge durch aktuelle digitale Lösungen ersetzen und das Bedienverbot auf kurzen Teilstrecken gezielt lockern. Zudem solle der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auch für Fernbusse gelten, meint das Unternehmen.
Der BDO bringt darüber hinaus Nachtbusse mit Liegesitzen ins Spiel. Während solche Angebote etwa in Österreich, Frankreich und den Niederlanden unter bestimmten Bedingungen möglich seien, verbiete Deutschland die Liegendbeförderung bislang pauschal. Der Verband fordert stattdessen einen Genehmigungsweg auf Basis technischer Sicherheitsanforderungen.
RDA nimmt auch Reisesicherungsfonds ins Visier
Der RDA setzt zusätzliche Akzente. Er fordert, Busreiseveranstalter beim Reisesicherungsfonds DRSF stärker nach ihrem tatsächlichen Schadensrisiko zu behandeln und auch verpfändete Kautionskonten als Sicherheit anzuerkennen. Für die neue Empco-Regulierung verlangt der Verband aktuelle Emissionswerte des Umweltbundesamtes, damit Reisebusanbieter belastbare Umweltvergleiche kommunizieren können. Außerdem sollen an Autobahnraststätten mehr Entsorgungsstationen für Bustoiletten entstehen.
Verkehrsplaner Kai Nagel von der TU Berlin warnt zugleich davor, Reisebusse aus Innenstädten lediglich auf wenige Großparkplätze zu verdrängen. Eine Simulation für Berlin zeige, dass dies Leerfahrten und Emissionen erhöhen könne, argumentiert er. Empfohlen werden stattdessen innenstadtnahe Ausstiegspunkte und Kurzzeitparkplätze, ergänzende Außenparkplätze sowie digitale Reservierungs- und Belegungssysteme. Auch Ladeinfrastruktur müsse von Beginn an mitgeplant werden.
Christian Schmicke
