Bund und Land waren 2024 mit jeweils 40 Prozent bei der Meyer Werft eingestiegen, nachdem das Unternehmen in eine existenzbedrohende Schieflage geraten war. Zur Rettung stellten sie 400 Millionen Euro Eigenkapital und Kreditgarantien in Höhe von 2,6 Milliarden Euro bereit. Die Familie Meyer hält seither noch rund 20 Prozent der Anteile.
Nun prüft MSC nach Angaben von Bloomberg die Übernahme des gesamten staatlichen Pakets. Ein Abschluss stehe nicht fest, zudem könnten noch weitere Interessenten hinzukommen.
MSC wird wichtiger Kunde
Ein Einstieg würde die bereits enge Geschäftsbeziehung zwischen MSC Cruises und der Meyer Werft weiter vertiefen. Beide Seiten hatten im Dezember 2025 eine Absichtserklärung über den Bau von vier Kreuzfahrtschiffen sowie zwei Optionen unterzeichnet.
Die neue Schiffsklasse mit dem Namen New Frontier soll maximal 5.400 Passagiere aufnehmen können. Die Auslieferungen sind ab 2030 vorgesehen. Ein fester Bauauftrag steht bislang jedoch offenbar noch aus.
Staat will sich langfristig zurückziehen
Für den Bund und das Land Niedersachsen würde ein Verkauf grundsätzlich dem angepeilten Ziel entsprechen, die Beteiligung nach der Stabilisierung der Werft wieder abzugeben. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hatte zuletzt allerdings betont, dass in dieser Angelegenheit kein Zeitdruck bestehe.
Die Meyer Werft beschäftigt rund 5.000 Mitarbeiter in Papenburg und Rostock. Offen ist, wie andere große Kreuzfahrtreedereien auf einen möglichen Einstieg von MSC reagieren würden. Zu den Kunden der Werft gehören neben MSC auch Unternehmen der Konzerne Carnival Corporation und Disney Cruise Line.
Christian Schmicke
