News für den Reisevertrieb

Lufthansa erhält Zuschlag für TAP-Beteiligung

Die portugiesische Regierung hat Lufthansa als bevorzugten Käufer für 44,9 Prozent von TAP Air Portugal ausgewählt. Der Konzern bietet 1,2 Milliarden Euro und setzte sich damit gegen Air France-KLM durch. Portugal behält die Mehrheit. Wegen Vertragsverhandlungen und EU-Prüfung wird der Abschluss erst für 2028 erwartet.

Das Gebot von Lufthansa lag nach Angaben von Portugals Ministerpräsident Luís Montenegro um 16 Prozent über dem von Air France-KLM. Lufthansa will den Kaufpreis vollständig in bar zahlen. Neben dem höheren Angebot soll auch die stärkere Finanzlage des deutschen Konzerns den Ausschlag gegeben haben.

Mit TAP würde Lufthansa ihr europäisches Airline-Netz weiter ausbauen. Zuletzt hatte der Konzern 41 Prozent an ITA Airways übernommen und Optionen gezogen, den Anteil im kommenden Jahr auf 90 Prozent zu erhöhen.

Lissabon soll siebtes Drehkreuz werden

Für Lufthansa ist TAP vor allem wegen ihrer starken Position im Verkehr zwischen Europa und Südamerika interessant. Der Konzern will insbesondere das Brasilien-Geschäft ausbauen, Lissabon als Drehkreuz stärken und seine Präsenz in Porto erweitern. Lissabon würde damit zum siebten Hub im Lufthansa-System.

TAP verfügt über rund 100 Flugzeuge und beschäftigt rund 9.400 Mitarbeiter. Der portugiesische Staat bleibt nach der Teilprivatisierung Mehrheitsaktionär. Bis zu fünf Prozent der Anteile sind für die Beschäftigten vorgesehen; nicht erworbene Aktien könnten zusätzlich an Lufthansa gehen.

Abschluss voraussichtlich erst 2028

Der Zuschlag ist noch nicht gleichbedeutend mit dem Vollzug der Transaktion. Zunächst stehen abschließende Vertragsverhandlungen und weitere Genehmigungen an. Allein die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission könnte nach Einschätzung der portugiesischen Regierung 18 bis 24 Monate dauern. Der Abschluss wird deshalb erst 2028 erwartet.

Wirtschaftlich steht TAP indes derzeit unter Druck. Nach vier Jahren mit Gewinnen verbuchte die Airline im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro. Die Betriebserlöse stiegen zugleich um 4,3 Prozent auf rund 2,04 Milliarden Euro, die Passagierzahl um 4,2 Prozent auf 8,2 Millionen.

Christian Schmicke