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Havila Voyages setzt vermehrt auf neue internationale Märkte

Die norwegische Reederei Havila meldet steigende Buchungszahlen. Im September erreichte die Auslastung laut Verkaufschefin Pia Kuusisto (Foto) 82 Prozent, die Ticketerlöse legten um 21 Prozent zu. Wachstumspotenzial sieht die Reederei vor allem in USA, Asien und Australien. In China baut Havila einen Vertrieb auf. Langfristig will das Unternehmen die Flotte von vier auf acht Schiffe erweitern.

Fünf Jahre nach Aufnahme des Schiffsbetriebs verzeichnet Havila Voyages steigende Buchungen und Erlöse und will seine internationale Präsenz ausbauen. Besonders in den USA, Asien und Australien sieht die norwegische Reederei weiteres Wachstumspotenzial, berichtet Pia Kuusisto, die für den Vertrieb im deutschsprachigen und EMEA-Raum zuständig ist, im Gespräch mit Reise vor9. Die wichtigsten Quellmärkte sind derzeit die DACH-Region, die USA und Großbritannien.

China rückt stärker in den Fokus

Besonders in den USA wächst die Nachfrage laut Kuusisto bereits deutlich. In China hat Havila jüngst einen aktiven Vertrieb aufgebaut. Bislang nahm das Unternehmen Buchungen aus dem Markt entgegen, ohne dort gezielt um Kunden zu werben. Die Vertriebsagentur Aviareps übernimmt die Vertretung in China. Dafür nutzt sie ihre Büros in Shanghai und Peking sowie einen Außendienstmitarbeiter. Havila konzentriert sich strategisch auf Individualreisende, die längere Teilstrecken oder die vollständige norwegische Küstenroute buchen. Große Reisegruppen sollen nicht gezielt akquiriert werden.

Auslastung und Kabinenerlöse steigen

Im vergangenen Jahr beförderte Havila laut Jahresbericht insgesamt 90.782 Passagiere. Darin enthalten sind sowohl touristische Reisegäste als auch sogenannte Port-to-Port-Passagiere, die lediglich einzelne Strecken zwischen norwegischen Häfen zurücklegen.

Im September 2026 erreichten die vier Schiffe nach Unternehmensangaben eine Auslastung von 82 Prozent, sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahresmonat. Der durchschnittliche Kabinenerlös stieg um 13 Prozent, die gesamten Ticketerlöse legten um 21 Prozent zu. Auch die Umsätze an Bord erhöhten sich um 28 Prozent.

Der Buchungsstand für das laufende Jahr liegt ebenfalls über dem Vorjahresniveau. Mitte Oktober waren 77 Prozent der verfügbaren Kapazität für 2026 gebucht, gegenüber 70 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Für das Gesamtjahr strebt Havila einen Anstieg des durchschnittlichen Kabinenerlöses um zehn Prozent an.

Für 2027 fällt der Vorsprung bislang geringer aus. Der Buchungsstand liegt bei 35 Prozent und damit einen Prozentpunkt über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Während die Individualbuchungen drei Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau liegen, bleiben Gruppenbuchungen um zwei Prozentpunkte zurück.

Havila Castor docks in Bergen Foto Havila Voyages
Havila Voyages hofft auf ein zehnjährige Konzession durch das norwegische Verkehrsministerium ab 2031.© Havila Voyages

Vier zusätzliche Schiffe geplant

Die Zahlen geben der norwegischen Reederei gutes Argumentationsmaterial an die Hand. Denn aktuell laufen die Verhandlungen über die nächste Konzession für die Postschiffroute mit der norwegischen Regierung. Das norwegische Verkehrsministerium hat vorgeschlagen, deren Laufzeit von bisher zehn Jahren auf vier bis fünf Jahre zu verkürzen. Havila setzt sich dagegen für zehnjährige Verträge ein, um ausreichend Planungssicherheit für neue Schiffe und Arbeitsplätze zu erhalten.

Denn langfristig will Havila seine Kapazitäten deutlich erweitern. Neben den vier bestehenden Schiffen könnten vier weitere auf der norwegischen Postschiffroute eingesetzt werden. Das Unternehmen hat nach Angaben von Kuusisto bereits mögliche Werften geprüft und einen Neubau-Slot angefragt. Konkrete Bauaufträge gibt es aber noch nicht. Entscheidend für die Investitionen ist aber die nächste Vergabe der staatlichen Verkehrsverträge. Ohne die Zusage über weitere langfristige Verträge wird die Reederei nicht in Schiffe investieren, so Kuusisto. Sie hofft, dass bis Ende des Jahres mehr Klarheit über das weitere Vergabeverfahren besteht.

Reiseveranstalter spielen wichtige Rolle

In Deutschland bleibt der indirekte Vertrieb der wichtigste Buchungsweg. Nach Angaben von Kuusisto im Gespräch mit Reise vor9 werden mehr Kreuzfahrten über Reisebüros und Veranstalter verkauft als direkt bei Havila. Da die Reederei selbst keine Pauschalreisen einschließlich Anreise zusammenstellt, übernehmen Veranstalter die Kombination der Schiffsreise mit Flügen und weiteren Leistungen. Reisebüros können auch direkt bei Havila buchen.

Bei den Preisen setzt die Reederei auf ein dynamisches Modell. Die Tarife verändern sich abhängig von der Auslastung und gelten grundsätzlich auch für Veranstalter. Ausgenommen sind vereinbarte Gruppenkontingente mit festen Preisen. Durch die flexible Preisgestaltung will Havila die Erlöse weiter steigern.

Magdalena Laßmann