Der DACH-Markt und die Türkei bleiben laut CEO Marcus Schnabel Kernmärkte, zugleich soll mehr Diversifizierung die Abhängigkeit von einzelnen Quellmärkten verringern. Sun Express betreibt derzeit eine Flotte mit 86 Flugzeugen, aus einer laufenden Boeing-Bestellung stehen noch 64 Maschinen aus. Elf davon sollen 2027 ausgeliefert werden, sagt der Manager, der zu Beginn der Karriere auch als Pilot im Cockpit bei Lufthansa saß.
Wie die neuen Flugzeuge eingesetzt werden, will die Airline von Jahr zu Jahr entscheiden. "Wir haben uns jetzt als Maßstab gesetzt, dass wir jedes Jahr neu entscheiden, ob wir wachsen oder ob wir die Flotte erneuern", so Schnabel. Je höher der Kerosinpreis, desto attraktiver werde der Austausch älterer Maschinen gegen sparsamere Modelle.
Treibstoff bleibt größtes Risiko
Die stark gestiegenen Kerosinpreise belasten Sun Express erheblich. Schnabel beziffert den zusätzlichen Aufwand nach Hedging für 2026 auf rund 180 Millionen Euro. Die Kostensteigerung bei Kerosin liege gegenüber der Zeit vor der geopolitischen Krise im Zuge des Iran-Kriegs bei rund 120 Prozent. "Treibstoffpreise bereiten mir die größten Sorgen", sagt er.
Nur etwa ein Drittel der Mehrkosten lasse sich an den Markt weitergeben. Hinzu kämen die hohen Standortkosten in Deutschland, die laut Schnabel im Vergleich zur Türkei bis zu sechsmal höher seien. Trotzdem wolle Sun Express nicht beim Produkt sparen. Die Airline habe zwar zahlreiche Effizienzmaßnahmen gestartet, Investitionen auf Kundenseite aber nicht reduziert.
Für das Gesamtjahr rechnet Schnabel mit rund 16 Millionen Passagieren und damit etwa so vielen wie 2025. Bis Ende September waren es 12,5 Millionen, der Sitzladefaktor stieg von 84 auf 86 Prozent. Für das Jahr erwartet Schnabel, dass "die schwarze Null steht".
Nachfrage hat sich wieder erholt
Nach Beginn des Iran-Kriegs war die Nachfrage zeitweise massiv eingebrochen. Schnabel spricht von Buchungsrückgängen von bis zu 50 Prozent in den Monaten danach. Inzwischen habe sich das Geschäft normalisiert.
Auch die Buchungsfristen hätten sich wieder verlängert. Zeitweise seien Reisen weniger als vier Wochen vor Abflug gebucht worden, inzwischen liege der Vorlauf wieder bei sechs bis acht Wochen. "Es ist wieder deutlich langfristiger geworden. Ein bisschen besser planbar", so der CEO.
Einen grundsätzlichen Rückgang der Reiselust sieht Schnabel nicht. "Ich kann nicht beobachten, dass die Menschen weniger Reisen buchen, auch Familien sind in gleichem Maße dabei", sagt er. Zu beobachten sei allerdings, dass Gäste bei der Reisedauer sparten und etwa statt 14 nur zehn Tage verreisten.
DACH und Türkei bleiben das Rückgrat
Deutschland, Österreich und die Schweiz bleiben der wichtigste Quellmarkt. Zwischen April und September beförderte Sun Express dort 6,5 Millionen Gäste, drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Winter stellt die Airline rund 4,5 Millionen Sitzplätze bereit, das liegt laut Schnabel ebenfalls auf Vorjahresniveau.
Für 2027 sind neun zusätzliche Strecken geplant, fünf davon mit Bezug zur DACH-Region. Neu beziehungsweise fortgeführt werden unter anderem Weeze – Antalya, Hannover – Dalaman, Wien –Dalaman, Köln/Bonn – Bodrum und Leipzig/Halle – Dalaman.
Schnabel sieht zudem weiteres Potenzial in der Saisonverlängerung. Im Oktober habe Sun Express rund zehn Prozent mehr Passagiere gezählt. "Die Saison lässt sich noch weiter ausbauen", ist er sicher. Für Weihnachten prüfe die Airline zusätzliche Kapazitäten.
Mehr Diversifizierung und neue Partnerschaften
Parallel soll das Geschäft breiter aufgestellt werden. Astana und Almaty in Kasachstan gehören bereits zum Netz, Zentralasien soll weiter ausgebaut werden. Auch Syrien gehört zum Streckennetz, mit Aleppo und Damaskus. "Ein wenig Diversifizierung schadet uns nicht", sagt Schnabel.
Die Kooperation mit Air Cairo wird im Winter fortgesetzt. Zudem spricht Sun Express über Codesharing mit Turkish Airlines und Ajet. Für den Winter laufen außerdem Verhandlungen mit einem weiteren Partner "Richtung Osten", eine Vereinbarung stehe kurz bevor. Das Wet-Lease mit South African Airways wird dagegen in diesem Winter pausiert.
Sun Express Holidays für Heimreisen plus Urlaub
Auch Sun Express Holidays gehört zur Strategie. Das gemeinsam mit Bentour entwickelte Angebot soll vor allem Familienbesuche in der Türkei mit anschließendem Urlaub als Pauschalreise absichern. Am Heimatstandort Antalya investiert Sun Express zudem in eigene Infrastruktur. 2027 soll der Bau eines eigenen Hangars beginnen, die Fertigstellung ist für Herbst 2029 vorgesehen.
Sabine Schreiber-Berger
