Für Nicko-Chef Laukamp ist 2026 ein schwieriges Jahr. Rund 60 von mehr als 800 geplanten Flussreisen mussten wegen Niedrigwassers abgesagt werden. Wo möglich, bot der Veranstalter alternative Routen an, die etwa 70 Prozent der betroffenen Gäste akzeptierten. Mitte August bezifferte Laukamp den finanziellen Schaden im Flussgeschäft auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag.
Auch auf See lief es nicht rund. Wegen des Iran-Krieges musste die Vasco da Gama auf ihrer Weltreise um Afrika herumfahren. Später führten Antriebsprobleme zum vorzeitigen Abbruch und zu einem mehrwöchigen Werftaufenthalt. Erst Mitte Juli konnte das Schiff wieder starten. Laut Laukamp ging dadurch rund ein Viertel des geplanten Hochseeumsatzes verloren. Das Rekordergebnis von 2025 ist damit außer Reichweite.
Buchungen für 2027 stimmen zuversichtlich
Für das kommende Jahr sieht Laukamp bessere Perspektiven. Die Vorausbuchungen liegen leicht über dem Vorjahresniveau, in Nordeuropa und im Mittelmeer sogar deutlich darüber. Auch die Weltreisen bleiben gefragt. Bei den Flusskreuzfahrten setzt Nicko zunächst auf die Weiterentwicklung bestehender Angebote. Neue Rheinschiffe sind für 2028 und 2029 vorgesehen.
Steigende Personal-, Treibstoff- und Destinationskosten sowie der europäische Emissionshandel erhöhen den wirtschaftlichen Druck. Deshalb plant Nicko für 2028 weitere Preissteigerungen von fünf bis sechs Prozent. Frühbucherrabatte und Sonderkonditionen für Alleinreisende sollen bestehen bleiben.
Mehr Mittelmeer statt Wettbewerb in Nordeuropa
Mit dem neuen Hochseeprogramm 2028 verschiebt Nicko den Schwerpunkt teilweise Richtung Mittelmeer. Laukamp begründet das auch mit dem zunehmenden Einsatz großer Kreuzfahrtschiffe in Nordeuropa, der dort die Preise unter Druck setze.
Zunächst sind die Reisen der Vasco da Gama bis Mitte September 2028 buchbar. Dazu gehören eine 23-tägige Route von Kiel über die Shetlandinseln, Island und Spitzbergen zum Nordkap sowie Fahrten durch die norwegischen Fjorde. Ab Hamburg stehen Kreuzfahrten rund um die britischen Inseln und entlang der westeuropäischen Küste auf dem Programm.
Mittelmeer-Katalog folgt im Januar
Ab Mitte September 2028 soll die Vasco da Gama wieder verstärkt im Mittelmeer unterwegs sein. Geplant sind fünf Routen mit Schwerpunkten im östlichen Mittelmeer, darunter Fahrten zwischen Athen und Istanbul sowie Anläufe in Albanien und auf griechischen Inseln.
Die genauen Fahrpläne stehen noch nicht fest, weil Bestätigungen einzelner Häfen fehlen. Der separate Mittelmeer-Katalog soll am 13. Januar 2027 erscheinen.
Vasco da Gama soll langfristig bleiben
Die Vasco da Gama bleibt vorerst das einzige Hochseeschiff von Nicko Cruises. Nach den Reparaturen sieht Laukamp das 1993 gebaute Schiff technisch gut aufgestellt und will es mindestens weitere zehn Jahre einsetzen. Die Suche nach einem zweiten Hochseeschiff läuft weiter, bislang jedoch ohne Ergebnis.
Bei Flusskreuzfahrten prüft Nicko zudem Neubauten mit geringerem Tiefgang für die Jahre 2028 bis 2030. Sie sollen den Betrieb bei niedrigen Wasserständen erleichtern. Konkrete Neubauaufträge wurden noch nicht angekündigt.
Christian Schmicke
