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RTK-Chef Bösl setzt auf Spezialisierung gegen "Cashback-Flut"

Der Chef der Reisebürokooperation RTK, Thomas Bösl (Foto), sieht Reisebüros vor großen Herausforderungen durch KI, hohe Preise und Cashback-Modelle. Beim ersten RTG-Summit in Mainz nennt er Spezialisierung, maßgeschneiderte Produkte und eigene Bonusmodelle als Zukunftsstrategie für die Reisebüros des Verbunds, vor allem gegen die "Giftdeponie Cashback".

Rund 300 Teilnehmer sind beim ersten RTG-Summit in Mainz nach Angaben der Zentrale dabei. Erstmals bündelt die Raiffeisen Touristik Group (RTG) dort ihre Vertriebswege, darunter inhabergeführte RTK-Büros, Reiseland-Franchiser und die eigenen Filialen.

Bösl nutzt den Auftakt der Tagung für einen Rückblick auf RTK, QTA und RTK international – und für einen Ausblick auf die nächsten Jahre. "Es gab selten ruhige Zeiten – und es gab immer wieder drastische Veränderungen, geopolitische Konflikte und große Herausforderungen", sagte er. Die viel zitierte "gute alte Zeit" sei also auch nicht ohne Krisen ausgekommen. Trotzdem blicke er "sehr optimistisch in die Zukunft".

KI und Spezialisierung im Fokus

Ein zentrales Thema ist laut Bösl künstliche Intelligenz. "Kommt eine glorreiche Zeit mit KI? Oder wird KI künftig alles dominieren?", fragt er. Mit dem hauseigenen Future Lab beobachte die Gruppe die Entwicklung und arbeite an eigenen Lösungen.

Für Reisebüros sieht Bösl vor allem Chancen durch stärkere Spezialisierung. "Optimieren, individualisieren, spezialisieren", lautet seine Vorgabe für Produkt und Technik. Besonders wichtig seien künftig "Tailor-made-Produkte", also exakt auf Kunden zugeschnittene Reisen.

Dafür müsse die Zusammenarbeit mit Veranstaltern, Destinationen, Reedereien und anderen Leistungsträgern enger werden. Zugleich verweist Bösl auf die Größe der RT-Group mit mehr als 20 Unternehmen in sechs Ländern und über 4.000 Reisebüros in Deutschland und Europa.

Hohe Preise kosten Kunden

Als eines der größten Probleme nennt Bösl die gestiegenen Reisepreise. "Wir verlieren jedes Jahr auch deshalb Kunden, weil sie sich eine Pauschalreise nicht mehr leisten können. Da müssen wir Lösungen finden", appelliert der RTK-Chef.

Auch Cashback-Modelle bereiten ihm Sorgen. "Die Cashback-Flut ist Gift für die Branche", so Bösl. Empörung allein reiche aber nicht, der stationäre Vertrieb müsse selbst Lösungen entwickeln.
Bösl nennt drei mögliche Wege. Auf einen freiwilligen Verzicht der Branche setzt er kaum. Auch eine gemeinsame Lösung der Veranstalter hält er wegen wettbewerbsrechtlicher Hürden für schwierig. Für erfolgversprechneder hält er eigene Bonusprogramme und White-Label-Produkte der Reisebüros. "Das ist die wahrscheinlichste Lösung", sagt er .

Neue Kreuzfahrtmarke soll Vertrieb stärken

Als weiteren Ansatz verweist Bösl auf die neue Kreuzfahrtmarke unter dem Dach von Reiseland, Reise vor9 berichtete. Sie soll auch RTK-Büros sowie Agenturen anderer Ketten und Kooperationen ansprechen, "die eventuell unter unser Dach wechseln möchten".

Sabine Schreiber-Berger