Im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende September beförderte Ryanair 125,8 Millionen Passagiere, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Die durchschnittliche Auslastung blieb mit 95 Prozent stabil. Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 10,08 Milliarden Euro. Die durchschnittlichen Ticketpreise sanken um vier Prozent auf 55,70 Euro. Einschließlich der Zusatzleistungen ging der Umsatz pro Passagier um drei Prozent zurück.
Die Betriebskosten legten um zehn Prozent auf 7,69 Milliarden Euro zu. Hauptgrund waren die stark gestiegenen Treibstoffpreise. Für die nicht preislich abgesicherten 20 Prozent des Kerosinbedarfs verdoppelten sich die Kosten auf rund 130 Dollar je Barrel. Zudem fielen Ausgleichszahlungen von Zulieferern nach der Auslieferung der letzten Boeing 737-8200 im Frühjahr 2026 weg.
Nahostkonflikt belastet Buchungen
Ryanair-Chef Michael O'Leary führt die gesunkenen Ticketpreise unter anderem auf den Nahostkonflikt zurück. Dieser habe die Verbraucher verunsichert und zu späteren Buchungen geführt. Zudem fiel Ostern nicht vollständig in den Berichtszeitraum.
Im zweiten Geschäftsquartal von Juli bis September stieg die Passagierzahl um fünf Prozent auf 64,5 Millionen. Der Umsatz legte um vier Prozent auf 5,7 Milliarden Euro zu. Der Gewinn ging um sechs Prozent auf 1,61 Milliarden Euro zurück.
Ryanair verlagert Kapazitäten aus Deutschland
Wegen der gestiegenen Treibstoffkosten hat Ryanair die Passagierprognose für das laufende Geschäftsjahr bereits von 216 auf 214 Millionen gesenkt. Im Winterflugplan soll das Verkehrsaufkommen gegenüber dem Vorjahr weitgehend stagnieren.
Zugleich verlagert die Airline Kapazitäten aus Märkten mit hohen Steuern und steigenden Kosten. Dazu zählen Deutschland, Österreich und regionale Flughäfen in Spanien. Zusätzliche Flüge sollen unter anderem nach Italien, Albanien, Marokko, Schweden und in die Slowakei gehen. Für den Sommer 2027 bietet Ryanair 126 neue Strecken an und eröffnet eine Basis im italienischen Rimini.
Mit der geplanten Auslieferung der ersten 16 Boeing 737 Max 10 im Frühjahr 2027 will Ryanair die Passagierzahl im nächsten Geschäftsjahr auf mehr als 220 Millionen steigern.
Höhere Flugpreise und weitere Einsparungen erwartet
Ohne ein rasches Ende des Nahostkonflikts dürften die Treibstoffpreise nach Einschätzung von O'Leary bis weit ins Jahr 2027 hoch bleiben. Für das laufende Geschäftsjahr hat Ryanair rund 80 Prozent des Treibstoffbedarfs zu etwa 67 Dollar je Barrel abgesichert. Im folgenden Geschäftsjahr sind bislang nur 25 Prozent zu rund 95 Dollar abgesichert.
O'Leary rechnet deshalb im Geschäftsjahr 2027/28 mit rund zwei Milliarden Euro zusätzlichen Treibstoffkosten. Er erwartet deutlich steigende Ticketpreise im europäischen Kurzstreckenverkehr. Diese dürften die Mehrkosten allerdings nicht vollständig ausgleichen. Zugleich könnte das Sitzplatzangebot wegen verzögerter Flugzeugauslieferungen und Problemen bei Triebwerksherstellern bis Anfang der 2030er-Jahre knapp bleiben.
Ryanair prüft deshalb weitere Einsparungen. Dazu gehören Verhandlungen über Flughafengebühren, mögliche vorübergehende Lohnstopps, eine geringere Personalbesetzung und ein verstärkter Einsatz künstlicher Intelligenz.
Für das laufende Geschäftsjahr gibt Ryanair noch keine konkrete Gewinnprognose ab. Zwar sei die Nachfrage im dritten Geschäftsquartal stark und die Ticketpreise lägen leicht über dem Vorjahr. Wegen der kurzfristigen Buchungen und der unsicheren Entwicklung der Treibstoffpreise sei eine verlässliche Prognose aber noch nicht möglich.
Christian Schmicke
