Von den Ausgaben der Radurlauber und Tagesausflügler profitieren nach Angaben des DTV vor allem das Gastgewerbe, der Einzelhandel sowie regionale Mobilitäts- und Freizeitdienstleister. Die ermittelte Wertschöpfung entspreche rechnerisch dem durchschnittlichen Primäreinkommen von rund 244.000 Menschen. Hinzu kämen etwa 3,5 Milliarden Euro Umsatz durch die An- und Abreise der Gäste.
Die vom Bundesverkehrsministerium geförderte Grundlagenuntersuchung zeigt auch, wie sich die Ausgaben entwickelt haben. Übernachtungsgäste gaben durchschnittlich 105,30 Euro pro Tag aus, Tagesgäste 35,70 Euro. Gegenüber 2009 seien das nominale Steigerungen von 63 beziehungsweise 123 Prozent, so die Analyse. Wegen unterschiedlicher Erhebungsgrundlagen seien die Werte allerdings nur eingeschränkt vergleichbar.
Millionen Interessierte buchen noch keine Radreise
In Deutschland interessieren sich nach Erkenntnissen der Erhebung 27,8 Millionen Menschen zwischen 14 und 74 Jahren stark für Radfahren oder Mountainbiken im Urlaub. Doch nur vier von zehn Interessierten setzten entsprechende Tagesausflüge tatsächlich um, erkennt der Bericht. Bei Radreisen mit Übernachtung sei es je nach Segment teilweise nur jeder Zehnte.
Besonders bei jüngeren Menschen, Familien und Stadtbewohnern sieht der DTV Möglichkeiten, zusätzliche Gäste zu gewinnen. Auch Reisende aus den Niederlanden, der Schweiz und Österreich sowie ältere Urlauber mit hohen Ansprüchen an Komfort und Sicherheit gelten als aussichtsreiche Zielgruppen.
Radwegenetz seit 2009 mehr als verdoppelt
Das touristisch vermarktete Radroutenangebot ist laut DTV seit 2009 von rund 150 auf 320 Strecken gewachsen. Die Gesamtlänge stieg von etwa 50.000 auf mehr als 100.000 Kilometer. Die Zahl der ADFC-Qualitätsradrouten erhöhte sich von fünf auf 48.
DTV-Präsident Reinhard Meyer fordert, die vorhandene Infrastruktur stärker in buchbare Reiseangebote zu übersetzen. Dafür bedürfe es gepflegter Radwege, besserer Anschlüsse an Bus und Bahn, einer unkomplizierten Fahrradmitnahme und verlässlicher digitaler Informationen.
Die vollständige Grundlagenuntersuchung mit weiteren Analysen und Handlungsempfehlungen soll in Kürze erscheinen.
Christian Schmicke
