13. Januar 2020 | 07:00 Uhr
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Warum sollte man nach Irland fliegen, Herr Ruebel?

Wer Irland wirklich kennenlernen will, sollte "immer mal von der geplanten Route abweichen und irgendwo abbiegen, so lernt man Land und Leute viel besser kennen", sagt Christian Ruebel von Tourism Ireland im Interview mit Counter vor9. Er findet viele Gründe für Irland und gibt Reisebüros eine Menge Tipps für die Beratung.

Irland Cobh in Cork County

Irland, wie hier Cork County ist ein Ganzjahresziel, nur um Weihnachten herum sollte man es meiden, sagt Irland-Experte Ruebel

Warum sollte man nach Irland fahren?

Warum nicht? Irland ist landschaftlich, kulturell und geschichtlich interessant. Es gibt da auch dieses besondere deutsch-irische Verhältnis. Die Iren lieben die Deutschen, sie wären gerne ein wenig deutsch, so organisiert und gut geordnet. Diese Zuneigung wird erwidert, denn die Deutschen wären gerne ein wenig entspannter und lockerer, so wie die Iren eben. Viele Irland-Urlauber kommen begeistert zurück, weil sie Iren kennengelernt haben, mit ihnen ins Gespräch gekommen sind. Das ist das absolute Highlight!   

Was sind die Highlights?

Die Cliffs von Moher, der Rock of Cashel und die Panoramaküstenstraße Ring of Kerry sind nicht umsonst berühmt. Michelin hat einen Reiseführer, in dem sie Sterne vergeben – mein Tipp ist, nur die 3- und 2-Sterne Sehenswürdigkeiten zu besuchen, die man schon immer mal sehen wollte. Und ansonsten die 1- oder gar kein-Sterne Attraktionen, da ist auch in der Hauptsaison weniger Betrieb, man hat mehr Zeit und die Erfahrung ist authentischer, irischer. An Stelle des Ring of Kerry bieten sich die nördlich gelegene Halbinsel Dingle oder die südlich gelegen Halbinsel Beara an, letztere ein Paradies (nicht nur) für Motorradfahrer. In der Hochsaison sind die Countys Mayo und Donegal im Nordwesten zu empfehlen. Spannend ist auch der historische Osten zwischen Dublin und Cork, da kann man einige Tage voller neuer Erfahrungen verbringen.

Was ist die beste Reisezeit?

Mitte Januar bis Mitte Dezember! Über Weihnachten selbst ist nur für Frühbucher zu empfehlen, denn da kommen Iren aus der ganzen Welt in die alte Heimat und insbesondere die Mietwagen können teuer sein. Ansonsten ist es eine Gemütsfrage, aber Irland ist grundsätzlich ein Ganzjahresziel. Die Hauptsaison ist von Juli bis August. Im Juni gibt es die kürzeste Nacht! Ende September bis Ende Oktober kann man mit dem Indian Summer vergleichen. Für Irland-Erstlinge würde ich Mai, Juni und September vorschlagen, das sind die im statistischen Mittel trockensten Monate. Im Winterhalbjahr kann man wunderbare Städtereisen nach Belfast und Dublin machen, die haben genügend Indoor-Möglichkeiten, falls das Wetter draußen doch mal weniger ideal ist. In der ersten Dezember-Hälfte lohnt sich der Christkind-Markt in Belfast. Alle Locals gehen da hin. In Dublin ist im beliebten Szene-Viertel Temple Bar das Tradfest (etwa Ende Januar) ein Highlight mit sowohl traditioneller als auch zeitgenössische irischer Musik.

Wie kommt man am besten auf die grüne Insel?

Es gibt zahllose Flugverbindungen, aber man sollte die Fähren nicht vergessen. Das ist die natürlichste Form nach Irland zu kommen und immer ein besonderes Erlebnis. Nimmt man eine der sehr komfortablen Nachtfähren von Frankreich aus, ist das wie eine kleine Kreuzfahrt mit Unterhaltungsangebot, Dinner und Frühstück auf der Fähre. Eine angenehme Möglichkeit ist auch Landbridge von Belgien oder den Niederlanden aus über Großbritannien nach Irland zu reisen. Nach dem Brexit ist eine Modifizierung der Grenzkontrollen möglich, da aber alle Beteiligten am Tourismus interessiert sind, erwarte ich auch beim Schiffsverkehr keine großen Behinderungen.

Wie viele Tage sollte man für Irland einplanen?

Wer noch nie in Irland war, sollte beim ersten Mal eine Woche einplanen. Das ist überschaubar und lang genug, um einen Eindruck zu bekommen. Ich rate aber davon ab, ganz Irland in einer Woche bereisen zu wollen. Das funktioniert nicht. Wer Irland kennenlernen will, sollte sich Zeit nehmen, auch mal verweilen und sich auf die Iren einlassen. Irland-Anfängern empfehle ich eine organisierte Reise, entweder als Gruppenreise oder ein Fly-Drive-Arrangement, das nur einen Teil der Insel abdeckt. Sehr schön sind zum Beispiel Themenrouten zu Schlössern, auf den Spuren von St. Patrick oder Gärten – da gibt es in Irland sehr schöne, naturbelassene Gärten im Robinson-Stil. Oder Screentourism zu Drehorten bekannter Serien, wie "Games of Thrones".  

Sollte man sich einen Mietwagen nehmen, um die Insel zu erkunden?

Wer kein Motorrad besitzt…! Irland ist für Selbstfahrer kein Problem, an den Linksverkehr gewöhnt man sich schnell. Auf der Autobahn ist das sowieso kein Problem. Auf den anderen Straßen wird nicht besonders schnell gefahren, es gibt praktisch keine Aggressivität, im Gegenteil, man nimmt sehr viel Rücksicht aufeinander. Am besten nehmen sich die Urlauber immer einen Mietwagen mit 100 Prozent Haftungsausschluss, denn auf den manchmal engen Straßen kann man sich auch mal Kratzer einfangen – das macht entsprechend versichert aber nichts. Generell gilt, je flexibler, umso leichter kann man Land und Leute kennenlernen. Und es ist möglich sich in Irland auch Motorräder zu mieten, hervorragende Bikes, mit denen die engen Straßen mit vielen Kurven richtig Spaß machen. Irland ist die ideale Bikerinsel.  Irland ist auch für Wanderer oder Radfahrer hervorragend geeignet. Es gibt Touranbieter, die auf Wanderer eingestellt sind. Und das Radnetz (Greenways) wird ständig weiter ausgebaut.

Haben Sie einen persönlichen Tipp für Irland?

Ich möchte keinen speziellen persönlichen Tipp abgeben. Immer mal von der geplanten Route abweichen und irgendwo abbiegen, so lernt man Land und Leute viel besser kennen.

Mehr über die grüne Insel erfahren Sie mit unserer Themenwoche Irland auf Counter vor9: News, Hintergrund und Tipps für die Beratung im Reisebüro.

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